Operationelle Gruppe Soziale Landwirtschaft traf sich auf dem Betrieb Weiße Hube

(v.l.n.r.: Rike Bullwinkel, Thomas van Elsen, Theresa Bartl, Sigrun Krauch, Sophia Hesse, Harald Kolmar, Hans Trumpfheller, Frank Flasche, Viola Helwig)

 

Ein Bericht von Sophia Hesse und Thomas van Elsen

Das 5. Treffen der Operationellen Gruppe (OG) fand am 24. April 2019 auf dem Biolandbetrieb Weiße Hube im Odenwald statt.

Seit 2008 bereits bewirtschaften Hans Trumpfheller und seine Frau ihren Betrieb ökologisch nach Bioland Richtlinien und erzeugen auf ihren knapp 100 ha Wiesen- und Weidenflächen das Futter für Milchziegen und Mutterkühe selbst. Außerdem halten sie 230 Hühner, welche in Hühnermobilen gehalten werden. Die frühere Milchviehhaltung wurde auf Ziegen umgestellt; seit April 2016 erzeugen sie Bio-Ziegenkäse. Jeden Morgen von März bis November werden die Ziegen gemolken und die frisch gemolkene Ziegenmilch wird anschließend in der hofeigenen Käserei weiterverarbeitet.

Derzeit arbeiten drei Menschen mit Behinderung auf dem Hof. Die Kooperation mit der Behindertenwerkstatt funktioniert jedoch nicht, Absprachen wurden nicht eingehalten, und eine wesentliche Motivation von Hans Trumpfheller an der Mitarbeit in der Operationellen Gruppe ist, wirtschaftlich tragfähige Perspektiven für die Soziale Landwirtschaft auf seinem Betrieb zu entwickeln.

Im Mittelpunkt des Treffens stand die Abstimmung und Planung der im Projekt anstehenden „Beratungsgespräche“, in denen anknüpfend an den konkreten Problemstellungen der an der OG beteiligten Höfe Beratungs- und Problemlösungsstrategien für die landwirtschaftlichen Betriebe entwickelt werden sollen. Immer steht dabei die Frage im Vordergrund, welche Mehrwerte für die landwirtschaftliche Erzeugung mit sozialen Aktivitäten verbunden sind: hier liegt der Schwerpunkt des Hessischen EIP-Projekts.

Vier der an der OG mitwirkenden Höfe stehen in Bezug auf Soziale Landwirtschaft noch in den Startlöchern oder haben bisher schlechte Erfahrungen beim Versuch einer Kooperation mit Trägern und Kostenträgern gemacht, sodass im Projekt exemplarisch an realen Beispielen Erfahrungen in der Beratung gesammelt werden.

Dieses Arbeitspaket im Projekt dient insbesondere der Erarbeitung der Beratungsinhalte „Soziale Landwirtschaft“ für das Beratungsteam Erwerbskombinationen des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH), das künftig neben ihren bisherigen Aufgaben die Einrichtung Sozialer Landwirtschaft in ihren Aufgabenbereich aufnehmen möchte. Beim LLH gehen inzwischen Beratungsanfragen ein, etwa in Bezug auf die Schaffung einer Seniorenresidenz auf einem Hof. Sigrun Krauch und Rike Bullwinkel vom LLH stellen fest, dass das Thema Soziale Landwirtschaft sehr komplex ist – entsprechend hoch ist die Anforderung an die Beratung. Verschiedene Leistungsträger und unterschiedliche Belange bei den jeweiligen Zielgruppen erfordern individuelle Kooperationsmöglichkeiten und Finanzierungswege. Leitfäden helfen hier nur begrenzt, weil es um Erfahrungswissen, die Entwicklung von Fähigkeiten und individuelle Lösungen geht. Ein „Leitfaden für Hessen“ wäre hierbei dennoch wünschenswert. Im Zuge der Leitfaden- Entwicklung könnte sich auch das notwendige und unterstützende Netzwerk aufbauen. Das EIP bringt das Thema voran, allerdings wird nun die Unterstützung der zuständigen Ministerien benötigt, damit sich weitere Türen öffnen.

Auf den vier genannten Betrieben finden nun mehrstündige Workshops statt; deren Ablauf die Beraterinnen vom LLH gestalten und die durch Sophia Hesse (PETRARCA e.V.) und Thomas van Elsen (Uni Kassel) dokumentiert werden. Die Beraterinnen des LLH übernehmen den aktiven Part einer Betriebsberatung. Die weiteren OG-Mitglieder sind eingeladen, an den Gesprächen teilzunehmen und "mit zu beraten", wodurch es gleichzeitig eine „kollegiale Beratung“ wird. Angestoßen wird damit ein Prozess auf den Betrieben, der auch weiterhin einer Begleitung bedarf. Über die bis Ende Juli stattfindenden Beratungsgespräche wird im nächsten Rundbrief berichtet werden.

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