Tagung Mehrwerte Sozialer Landwirtschaft

Bericht von der Tagung

Mehrwerte Sozialer Landwirtschaft

6. – 8. November 2018 am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften in Witzenhausen- Pressemitteilung der DASoL

Rund 85 Interessierte trafen sich in Witzenhausen zu der Tagung „Mehrwerte Sozialer Landwirtschaft“ am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel in Witzenhausen. Eine besondere Veranstaltung, auf der es nur wenige Vorträge, aber viel Beteiligung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer gab: Arbeitsgruppen, Worldcafés und Podiumsdiskussionen standen im Mittelpunkt. Es ging um Themen der Beratung, der Aus- und Weiterbildung, und ganz konkret um die Frage, wie Menschen mit Behinderung und besonderen Bedürfnissen den Weg in eine sinnvolle Arbeit auf dem Bauernhof finden können. Mit dem Bundesteilhabegesetz verbessert sich die Möglichkeit, außerhalb der Behindertenwerkstätten betreute Arbeitsplätze anbieten zu können. Solche Arbeitsplätze sind vielgestaltiger als Montageplätze in vielen Werkstätten: der Bauernhof bietet eine große Vielfalt an sinnvoller Arbeit mit Pflanzen und Tieren und bei Wind und Wetter. Und diese Arbeit hat Lebensqualität und kann therapeutisch wirken.

Soziale Landwirtschaft schafft Mehrwerte

Auf der Tagung ging es auch um die Vielfalt der Zielgruppen Sozialer Landwirtschaft. Während etwa in Ländern wie Norwegen und den Niederlanden Hunderte von Höfen Tagesaufenthalte für Demenzkranke anbieten, stecken solche Angebote in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Dem gegenüber sind in Deutschland Angebote für Schüler auf Bauernhöfen besonders weit entwickelt – auch im europäischen Kontext, wie Michael Kügler, der in Brüssel die Vertretung der deutschen Landwirtschaftskammern leitet, betonte. Ein Schlüssel zur Förderung und Entwicklung Sozialer Landwirtschaft ist die Zusammenarbeit der Ministerien. Auf dem Podium tauschten sich Regine Wiesend, die im bayerischen Landwirtschaftsministerium für Erwerbskombinationen und Frauenfragen zuständig ist, und Joachim Dippel, der im Hessischen Landwirtschaftsministerium u.a. Förderprogramme im ländlichen Raum betreut, aus, und waren sich einig, dass Soziale Landwirtschaft Mehrwerte schafft: Für die beteiligten Menschengruppen, aber auch für den landwirtschaftlichen Betrieb, den ländlichen Raum und für Natur und Umwelt. Judith Hoffmann, pädagogische Direktorin von Hephata, betonte die Bedeutung der Vielfalt an Angeboten für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, die Bio-Bauernhöfe bereitstellen – Arbeit, die erkennbar Sinn macht!

Hessisches Sozialministerium bislang nicht interessiert

In der Zusammenarbeit mit europäischen Partnern bei EU-Projekten wird immer wieder deutlich: Soziale Landwirtschaft wächst dort, wo verschiedene Ministerien zusammen arbeiten. In den Niederlanden werden zahlreiche „Pflegehöfe“ vor allem vom Gesundheitssektor finanziert, weil man eingesehen hat, dass Gesundheitsvorsorge dem Staat auf lange Sicht Geld spart. Und in Thüringen hat die Sozialministerin die Schirmherrschaft über eine Tagung zur Sozialen Landwirtschaft in Erfurt übernommen. Anders in Hessen: Trotz mehrfacher Anfrage an das Wiesbadener Sozialministerium, sich an der Tagung mitzuwirken und sich an der Podiumsdiskussion mit Ministeriumsvertretern zu beteiligen, keinerlei Reaktion. „Hier sind noch dicke Bretter zu bohren“, so Dr. Thomas van Elsen, der mit seinem Team die bundesweite Tagung organisiert hat.

Soziale Landwirtschaft schmeckt

Dass Soziale Landwirtschaft schmeckt, davon konnten sich die Tagungsteilnehmer und Studierende am Imbisswagen der Hessischen Diakonie Hephata überzeugen, die ein Bauernfrühstück aus Erzeugnissen ihrer fünf Bio-Landwirtschaften anbot, die Menschen mit Behinderung beschäftigen. Weiter gab es Produkte von Gut Sambach aus Mühlhausen zu kosten – hier sind es psychisch kranke Menschen, die an der Bewirtschaftung eines 500ha großen Biobetriebs in Thüringen mitwirken. In Gesprächsgruppen trugen die Tagungsteilnehmer zusammen, wie Soziale Landwirtschaft künftig stärker gefördert werden kann, etwa durch Beratung: Hier möchte künftig der Landesbetrieb Landwirtschaft ein entsprechendes Beratungsangebot für Höfe entwickeln.

Den Abschluss bildete der Ausblick durch das EU-Projekt PROFARM, in dem ein Konzept entwickelt wurde, wie Menschen mit Unterstützungsbedarf auf Höfen durch einen „Entwicklungs- und Teilhabebegleiter“ unterstützt werden können – ein neues Berufsbild, dem in einem möglichen Folgeprojekt Geburtshilfe geleistet werden soll.

v.l.n.r. auf dem Podium: Michael Kügler, Judith Hoffmann, Joachim Dippel, Regine Wiesend, Manfred Trautwein

Exkursion zum Antonius-Hof Fulda im Rahmen der Tagung am 6.11.2018

Bericht von Sophia Hesse

Die Tagung „Mehrwerte Sozialer Landwirtschaft“ begann am Dienstagmorgen mit einer Exkursion zum Antonius-Hof Fulda. Pünktlich versammelten sich die über 30 Exkursionsteilnehmer/innen am verabredeten Treffpunkt in erwartungsvoller Stimmung. Am Antonius-Hof angekommen, gab e erstmal für alle Kaffee und Tee. Peter Linz, der Leiter der Hofes, gab eine Einführung: Auf dem Hof arbeiten mehr als 100 Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand. Dabei sind alle Menschen unter nahezu realen Marktbedingungen in wertschöpfende Arbeit eingebunden (www.antonius-fulda.de). Der Hof vermittelt außerdem Menschen an andere Höfen weiter, wie z.B. zu dem nicht weit entfernten Bioland-Betrieb von Manfred Faust in Müs. Manfred Faust war persönlich an diesem Vormittag anwesend und schilderte, wie er selbst zur Sozialen Landwirtschaft kam. Erst hatten die beiden Betriebe aufgrund des Kartoffelanbaus Kontakt und irgendwann arbeitete der erste Mensch vom Antonius-Hof Probe bei Manfred Faust. Dabei blieb es jedoch nicht. Inzwischen will Manfred Faust die Menschen vom Antonius-Hof nicht mehr missen und ist auf deren Hilfe angewiesen. Bereuen tut er seine Entscheidung in die Soziale Landwirtschaft mit eingestiegen zu sein also ganz und gar nicht.

Nach der Einführung von Peter Linz und Manfred Faust wurden die Exkursionsteilnehmer/innen über den Hof geführt und konnten die verschiedenen Arbeitsplätze begutachten und natürlich viele Fragen stellen. Relativ zügig ging es dann jedoch zurück nach Witzenhausen, da dort der erste Vortrag der Tagung auf dem Plan stand. Den Teilnehmer/innen wurde die Rückfahrt durch leckere Bio-Lunch-Pakete vom Antonius-Hof versüßt.

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