PROFARM-Projekt

 

 Allgemeines

Projekt Handouts

Handout #1                                 Handout #2                            Handout #3

Handout #4                                 Handout #5                            Handout #6 (ENG)

Handout #7                                 Handout #8 (ENG)               Handout #9 

Veranstaltungsberichte

Literatur

Übersicht PROFARM

Im Rahmen des EU-Projekts PROFARM (Professional and personal empowerment in social farming) arbeiteten verschiedene Partnerorganisationen aus Italien, den Niederlanden und Deutschland an Konzepten im Hinblick auf die Verbesserung der beruflichen und sozialen Inklusion von jungen Menschen mit Unterstützungsbedarf in der Sozialen Landwirtschaft.

Antragsteller des PROFARM-Projekts war die Region Umbrien in Italien. Partnerorganisationen im Projekt sind:

• Italien: Umbria Region – Welfare and Education Service, Association Study Center City of Foligno;

• Deutschland: Anthropoi – Bundesverband für anthroposophisches Sozialwesen e.V., PETRARCA – Europäische Akademie für Landschaftskultur Deutschland e.V.;

• Niederlande: Stichting AOC de Groene Welle, Dutch Foundation of Innovation Welfare 2 Work

Das allgemeine länderübergreifende Projektziel des beruflichen und persönlichen Empowerments von Menschen mit Unterstützungsbedarf wurde unter anderem durch die Entwicklung eines Case Management Konzepts verfolgt – sogenannte EntwicklungsbegleiterInnen unterstützen junge Menschen mit Assistenzbedarf auf ihrem persönlichen Bildungs- und Lernweg innerhalb der Sozialen Landwirtschaft.

Das Case Management

Als EntwicklungsbegleiterInnen werden Personen bezeichnet, die Menschen mit Assistenzbedarf auf ihrem persönlichen Berufsbildungsweg begleiten und sie auf dem landwirtschaftlichen Betrieb sowie darüber hinaus unterstützen. Die Tätigkeiten von Case Managern setzen sich aus berufs- und fachübergreifenden Koordinationsaufgaben zusammen; mögliche berufliche Qualifizierungen sind etwa Pädagogik, Soziale Arbeit sowie Land- und Gartenbau. Grundlegende Fähigkeiten eines/r EntwicklungsbegleiterIn wurden im PROFARM-Projekt in drei Bereichen identifiziert: (1) auf personeller Ebene (Fähigkeit zur Kommunikation, zur Analyse von Bedürfnissen und Erwartungen, Einschätzung der Ziele individueller Inklusion), (2) auf Netzwerkebene (Fähigkeit, ein Netzwerk aufzubauen; Koordination und Verbindung zwischen allen Beteiligten) und (3) auf Prozessebene (Förderung der aktiven Teilhabe, Auswertung des gesamten Entwicklungsprozesses).

Der Projektverlauf

Zunächst wurde der Status Quo der Methoden zur beruflichen und sozialen Inklusion von jungen Menschen mit Assistenzbedarf in der Sozialen Landwirtschaft recherchiert und dokumentiert. National wurden Interviews mit ExpertInnen innerhalb der Sozialen Landwirtschaft geführt, um mit den Ergebnissen das Berufsbild eines/r Case ManagerIn zu entwickeln. Daraufhin wurde der Fokus auf den Aufbau regionaler und multidisziplinärer Netzwerke gelegt – es wurden mehrere Netzwerktreffen abgehalten, an welchen potentielle und zukünftige EntwicklungsbegleiterInnen und ExpertInnen im Bereich Soziale Landwirtschaft und Bildung teilnahmen. Auch wurden Partnerbetriebe des Projekts nach festgelegten Kriterien ausgesucht und zu den Netzwerktreffen eingeladen. So entstand eine Gruppe, welche zum einen eigene Erfahrungen und Entwicklungsbedarfe innerhalb des Themengebiets austauschen konnten. Zum anderen wurden im Rahmen des Projekts entwickelte Dokumente durch die ExpertInnen evaluiert. Es fanden während der gesamten Projektzeit mehrere internationale Treffen der Partnerorganisationen in den verschiedenen Ländern statt.

Innerhalb des Projekts wurde eine 10-wöchige Testphase durchgeführt, innerhalb derer zuvor ausgebildete EntwicklungsbegleiterInnen ausgewählte Menschen mit Unterstützungsbedarf auf den Partnerbetrieben in einem Praktikum begleiteten. Die dort entstandenen Erfahrungen innerhalb der Praxis- und Forschungsarbeit in den verschiedenen Ländern wurden im Laufe des Projektes kontinuierlich veröffentlicht. Zum einen finden sich die Ergebnisse und die detaillierte Beschreibung des Projektsverlaufs in den verschiedenen Handouts, zum anderen sind aus dem Projekt Veröffentlichungen wie Zeitungsartikel und Abschlussarbeiten entstanden. Die nationalen und internationalen Ergebnisse dieser 3-jährigen Forschungsarbeit werden in einem Abschlussbericht veröffentlicht. Weitere Informationen finden sich unter www.profarmproject.eu.

Veranstaltungsberichte

Anders ist für uns normal

Gerhard Herz stellte für den Bundesverband Anthropoi die Testphase in Deutschland vor
Sophia Hesse, Thomas van Elsen & Patrick Sauer
Auszeichnung für das italienische Video
Tiere in einer Vielzahl von Gehegen, Volieren und Käfigen – weiträumiges Gelände von L‘Aquilone
Schulklassenbesuch an der Olivenpresse in Todi

Internationale Abschlusstagung des PROFARM-Projekts in Gubbio

von Patrick Sauer, Sophia Hesse und Thomas van Elsen

 Vom 20.11. – 23.11.2018 trafen sich die PartnerInnen und TeilnehmerInnen des PROFARM-Projektes in Gubbio (Italien) zum Abschluss des im Dezember 2018 abgeschlossenen Projektes. Vertreter der Niederlande, Italiens und Deutschlands waren anwesend. Deutschland wurde dabei durch die beiden deutschen Partner Petrarca e.V. und den Anthropoi Bundesverband vertreten.

Ein zentraler Teil des PROFARM Projektes (PROfessional and personal empowerment in social FARMing) war die Ausbildung sogenannter Case Manager (Teilhabe-BegleiterInnen) und die praktische Erprobung dieser Tätigkeit. Case Manager sollen Menschen mit Hilfebedarf beim Aufbau eines persönlichen beruflichen Bildungsweges begleiten.

Eingestimmt wurde das Treffen durch ein gemeinsames Abendessen der Projektbeteiligten am Dienstag auf dem Hof L‘Aquilone bei Gubbio. Es war ein teils herzliches Wiedersehen und teils ein freudiges Kennenlernen. Am Mittwochmorgen kamen weitere TagungsteilnehmerInnen an und Altheo Valentini, der Projektmanager des PROFARM-Projekts, eröffnete die Tagung. Schließlich stellten die beteiligten Länder ihre Ergebnisse vor. Jedes Land hatte es im Laufe der Zeit geschafft SchülerInnen für Fallstudien zu gewinnen, um die im PROFARM Projekt entwickelten Ansätze des Case Managements zu erproben. In Deutschland stellte sich die Suche jedoch als besonders schwierig dar, da sich fast alle jungen Menschen mit Behinderungen bereits in Maßnahmen befinden und die vorhandenen Strukturen sehr etabliert sind, während sie in Italien erst entwickelt werden und von daher auch das Interesse an einer Mitwirkung am Projekt deutlich größer war. Jedoch gibt das neue Bundesteilhabegesetz seit 2016 mit seinen Änderungen Hoffnung, dass die Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Landwirtschaft, insbesondere auf kleineren Betrieben, leichter wird. Ein Problem, auf das jedoch alle Vertreter trafen, waren finanzielle Schwierigkeiten, da im Projekt kein Budget zur Entschädigung des Zeitaufwandes der Case Manager zur Verfügung stand. Alle waren sich jedoch einig, trotz verschiedener Herausforderungen, dass sie nicht mit ihrer Arbeit aufhören wollen, bis jeder Mensch inkludiert ist.

Die Evaluation ergab, dass der Kontakt zur natürlichen Umwelt am wichtigsten war für die jungen Menschen, die auf Höfe vermittelt wurden. Außerdem konnte festgestellte werden, dass die Erlebnisse auf dem Betrieb positive Auswirkungen auf die SchülerInnen haben, z.B. in Bezug auf Kommunikation und das Herangehen an Probleme. Für die Zukunft wurde festgehalten, dass es ganz wichtig ist, die Eltern miteinzubeziehen und sie möglichweise auch als Netzwerkpartner zu integrieren. Im Rahmen des Projektes wurden auch verschiedene Handreichungen veröffentlicht. Diese beschäftigen sich damit, wie das Profil eines Case Managers aussehen sollte, wie man für die SchülerInnen den passenden Betrieb findet und wie man feststellen kann, ob der Betrieb bereit ist, die SchülerInnen aufzunehmen.

Zum Abschluss der Vorträge am Donnerstag gab es eine Diskussionsrunde mit Experten aus den verschiedenen Ländern. Hier wurden nochmals Herausforderungen, Entwicklung der jungen Menschen, die auf Höfen betreut wurden und Wünsche für die Zukunft thematisiert. Zum einen waren die Entfernungen zwischen den Betrieben, die am Projekt mitwirkten, insbesondere in Deutschland eine Herausforderung, den Austausch sicherzustellen. Teilweise gab es bei den Praktika Probleme, sinnvolle Arbeit trotz wechselnder Wetterverhältnisse zu finden. Hervorgehoben wurde, wie unterschiedlich die SchülerInnen sind und jeder Arbeitsbereich immer individuell gestaltet werden muss.

Allen Experten fiel bei den SchülerInnen auf, dass sie mehr Selbstbewusstsein, mehr Autonomie, mehr Flexibilität und mehr Motivation erlangt haben während ihres Aufenthaltes auf dem Betrieb.

Die Diskussionsrunde wurde außerdem gefragt, was sie sich wünschen würden für die SchülerInnen, wenn sie zwei Dinge ändern könnten: Die Betriebe sollten näher an der Schule und ihrem Zuhause sein, dafür sind natürlich mehr soziale Betriebe nötig; das deutsche System sollte offener sein für derartige Entwicklungen; das Programm sollte das ganze Jahr über angeboten werden, damit zum einen die jahresspezifischen Tätigkeiten miterlebt werden können, zum anderen, damit die SchülerInnen nicht ihre Ferien arbeitend verbringen, während ihre Freunde in den Urlaub fahren; es sollte außerdem die Möglichkeit geben, am Ende ihres Aufenthaltes ihren Freunden ihre Arbeit zu zeigen.

Der Vrelauf der Testphase bei PROFARM war natürlich nicht perfekt,  aber hervorgehoben wurden Erfolge beim Sozialverhalten der SchülerInnen. Wie nachhaltig ist das Projekt und inwieweit ist es übertragbar auf andere Ebenen und Länder? Diese und andere Fragen wurden auf der Konferenz diskutiert, und in den Ländern gibt es unterschiedliche Ansatzpunkte der Umsetzung. Alle Partnerländer suchen nach Möglichkeiten der Verstetigung der erarbeiteten Ansätze in ihren Ländern.

Ein Bestandteil des Projekts war die Erstellung von Videos durch die jungen Menschen, die auf Höfen Praktika absolvierten, die sie selbst und ihre Arbeit auf dem Betrieb zeigen. Diese Videos wurden auf der PROFARM Facebookseite veröffentlicht. Die beiden Videos mit den meisten Likes wurden am Donnerstag auf der Konferenz gezeigt und erhielten eine Siegerurkunde. Der Gewinner aus Italien, Marco, war persönlich anwesend mit seinen Klassenkameraden, seiner Lehrerin und seiner Case Managerin. Bei der Preisverleihung sprachen alle Worte des Dankes und Marcos Freude über den Tag, und die Siegerehrung begeisterte alle Anwesenden.

Den Schluss der Tagung bildete eine Exkursion zu mehreren Betrieben der Sozialen Landwirtschaft im Gastgeberland Italien. Einer dieser Betriebe war L‘Aquilone, der nicht nur als gastfreundlicher Tagungsort diente, sondern auch selbst Soziale Landwirtschaft betreibt. L’Aquilone wurde 1976 gegründet und ist ein Familienbetrieb. Hauptsächlich finanziert sich der Hof durch den Oliven- und Obstanbau, aber auch durch die Möglichkeit, die Räumlichkeiten für z.B. Schulklassen zu nutzen und so als eine Art Schulbauernhof zu fungieren. Sie beschäftigen z.Z. einen Mitarbeiter mit Hilfebedarf. Mit dessen Arbeit, die vor allem in der Betreuung der Tiere liegt, sind die Betreiber sehr zufrieden. Außerdem besitzt der Betrieb einen Pool, wo medizinisches Schwimmen angeboten wird bzw. Kinder  mit Wasserangst langsam an das Schwimmen herangeführt werden. Auf L’Aquilone werden zahlreiche Tiere gehalten, wie Pferde, Kaninchen, Hühner, Enten, Pfauen, Schafe, eine Kuh und vieles mehr, allerdings erweckt die Tierhaltung eher den Eindruck eines Streichelzoos als einer Nutztierhaltung. Dieser Eindruck führte unter den Teilnehmerinnen zu regen Diskussionen, inwieweit eine Nutztierhaltung wichtig ist für therapeutische und auch pädagogische Zwecke z.B. in Bezug auf sinngebende Arbeit und das Miterleben von jahreszeitlich abhängigen Aktivitäten, aber auch um ein Bewusstsein zu bekommen, wo unsere Lebensmittel herkommen und wie diese erzeugt werden.

Der nächste Halt – Kebio - liegt nur ein kleines Stück von Gubbio entfernt. Es ist eine alte italienische Villa, an dessen Hauswand ein großer steinerner Pferdekopf herausragt. Pierro Massini, der Besitzer der Villa mit großem Park und von 500ha Land, die seit 2009 ökologisch bewirtschaftet werden, führte uns herum. Es begegnete uns eine Mischung aus Sozialer Landwirtschaft, Agrartourismus und Museum. Neben Backkursen für Menschen mit Essstörungen, Ackerflächen und Pferden, um die sich SchülerInnen kümmern dürfen, wenn sie die Schule verweigern und Menschen mit Unterstützungsbedarf, die vom Amt auf den Betrieb vermittelt wurden, gibt es außerdem Bed & Breakfast-Unterkünfte und – so Pierro Massini „Yogafarming“, Yoga in Verbindung in der Natur der schönen Kulturlandschaft. Viele Räume der Villa stehen leer oder werden von riesigen leeren Weinfässern oder durch die Ausstellung von Antiquitäten und alten Haushaltgeräten eingenommen; der Stellenwert der landwirtschaftlichen Erzeugung stand – zumindest bei der Führung – im Hintergrund.

Die Exkursion ging weiter zur Landwirtschaftsschule „Instituto Tecnico Agrario Superiore Augusto Ciuffelli“ in Todi, ein 1864 in einem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Klosteranwesen gegründetes Institut, zu dem drei Landwirtschaftsbetriebe gehören. Da es in Italien keine Sonderschulen gibt und die Psychiatrie in den 1970er Jahren abgeschafft wurde, gehen Menschen mit Behinderungen auf die gleichen Schulen wie alle anderen. So auch in Todi, der ältesten Landwirtschaftsschule in Italien. Dort wird versucht, Tradition und moderne Technologie miteinander zu kombinieren. Die Schule bietet außerdem soziale und pädagogische Landwirtschaftsprojekte an für alle 500 SchülerInnen, die zwischen 14 und 18 Jahre alt sind. Einer der im Rahmen des PROFARM-Projekts begleiteten Schüler arbeitete in einem der an die Klostergebäude angrenzenden Gewächshäuser. Oft arbeiten hier auch weitere SchülerInnen mit Hilfebedarf aufgrund der speziellen Umgebung und den routinierten Aufgaben. Es wird versucht, viele Arbeitsplätze barrierefrei zu gestalten.

Zum Abschluss ging es zu der sozialen Kooperative „La Speranza“ in Terni, der von uns als Höhepunkt der Besuche empfunden wurde. Dort wurden wir nicht nur sehr herzlich begrüßt, sondern alle Bewohner wurden uns persönlich vorgestellt, sodass sich im Verlauf der Besichtigung viele Gespräche zwischen unserer Reisegruppe und den Bewohnern ergaben. Auf dem Betrieb leben insgesamt fünf Menschen mit Hilfebedarf und ca. 13 weitere Menschen mit Hilfebedarf kommen täglich zum Arbeiten. Neben dem Anbau von Gemüse und Oliven werden Ziegen, Hühner und Bienen gehalten und alles wird auch landwirtschaftlich genutzt.

Fazit: die Abschlusstagung war ein wichtiges Treffen, um sich über die Ergebnisse und Herausforderungen auszutauschen. Einmal mehr macht der länderübergreifende Austausch deutlich wie unterschiedlich die Auffassung und die Umsetzung von Sozialer Landwirtschaft aussehen kann – in einzelnen Ländern, aber auch innerhalb der Länder. Mehrfach stellte sich die Frage, inwiefern die Natur für die Soziale Landwirtschaft instrumentalisiert wird. Es ist oft nicht selbstverständlich, Tiere und Pflanzen nicht als seelischen Beistand für den Menschen ausnutzen, sondern die Zusammenarbeit zu einer verantwortungsvollen und die Bedürfnisse respektierenden zu gestalten.

Weitere Informationen zum Projekt PROFARM: www.profarmproject.eu/projects.

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden (Rundbrief 36).

4. PROFARM – Netzwerktreffen in den Niederlanden

von Lena Hüttmann

Ende April kamen bereits zum vierten Mal die sechs europäischen Partner-Organisationen des EU-Projektes PROFARM (PROfessional and personal empowerment in social FARMing, www.profarmproject.eu) zusammen, um an Wegen zur Verbesserung der Qualifizierungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen in der Sozialen Landwirtschaft zu arbeiten. Nachdem wir uns seit Beginn des Projekts im Jahr 2016 bereits in den Partner-Ländern Italien und Deutschland trafen, wurde dieses Treffen von unserem Projektpartner, der integrativen Schule “Groene Welle” (www.groenewelle.nl/) in Zwolle/Niederlande veranstaltet.

Im bereits 3.Jahr seit Beginn unserer gemeinsamen Arbeit stehen wir an einem entscheidenden Punkt: Nach einigen Monaten vorbereitender Arbeit startete im April die Praxisphase des Projekts. Unsere Zielgruppe absolviert ein 6-wöchiges Praktikum auf Partnerbetrieben und wird dabei von den ausgebildeten Case Managern unterstützt. Um die Qualität dieser Arbeit wissenschaftlich zu begleiten finden in Anbindung an die internationalen Treffen Peer-review events statt. So trafen in Zwolle nach einem internen Treffen der Partnerweitere 22 Experten aus dem Bereich Soziale Landwirtschaft aus ganz Europa dazu, um uns bei unserer Arbeit zu unterstützen. In Form eines Coaching Circles auf Basis der „Theorie-U“ nach Otto Scharmer wurde die Praxisphase durch die Experten evaluiert. Neben der Evaluation unserer Arbeit standen deutlich der Raum für Austausch untereinander sowie die Besichtigung von Soziale Landwirtschaft betreibenden Höfen im Vordergrund. Die abwechslungsreiche Reise von Betrieb zu Betrieb verdeutlichte anschaulich, wie vielfältig Soziale Landwirtschaft in den Niederlanden ist.

Die Autorin (links) beim Shoppen im Hofladen
Vollenhof-Betreiber Eimert Fykse
Behindertengerechter Erdbeeranbau
Alle Fotos: Thomas van Elsen

Am Ortsrand von Zwolle befindet sich die Care Farm De Huppe – ein Betrieb, welcher bereits in den Anfängen Sozialer Landwirtschaft in den Niederlanden die Dringlichkeit eines Ausbildungsangebots für Menschen mit Behinderungen in der Landwirtschaft sah und in den darauffolgenden Jahren an der politischen Gestaltung dieser mitwirkte. Heute werden dort Menschen mit Behinderungen verschiedenen Alters in den Bereichen Gemüsebau, Käsen, Tierhaltung und Holzbau ausgebildet, mit der Intention, später auf einem Betrieb ihrer Wahl ein Arbeitsverhältnis eingehen zu können. Bei der Arbeit auf dem Hof wird darauf geachtet, keinen Leistungsdruck zu erzeugen – es gebe zwar das Potential für eine größere Produktion der hergestellten Güter, dies sei aber nicht das primäre Ziel der Arbeit. Ein relativ großer BioHofladen mit hofeigenen Produkten sowie zugekaufter hochwertiger Ware sorgt für den Kontakt zwischen Hof und Umgebung.

Auf dem Gelände von Zwieseborg wird Soziale Landwirtschaft noch einmal anders gelebt – hier haben die Arbeitenden einen konstanten Arbeitsplatz in dem Bereich Tierhaltung sowie im Restaurant und Bed and Breakfast. Letzteres ist ein Angebot für Eltern, welche mit ihren Kindern mit einer Behinderung vor Ort Urlaub machen können. Der landwirtschaftliche Bereich auf dem Gelände besteht aus der Haltung von Kleintieren, die dort nicht zur üblichen landwirtschaftlichen Nutzung leben. Eine weitere Gruppe ist im Bereich Landschafts- und Gartenbau außerhalb des Geländes in den umgebenden Dörfern tätig. Der Fokus des Betriebs liegt auf der Bereitstellung eines regelmäßigen Tagesrhythmus und dem verantwortungsvollen Umgang mit Tieren; es werden keine Produkte zum Verkauf erzeugt. Die Leitung dieser Care Farm wechselte in den letzten Jahren häufig, was dazu führte, dass die Wirtschaftlichkeit so stark darunter litt, dass es fast zu einer Schließung kam. Mit einem neuen wirtschaftlich tragbaren Konzept und der Ausrichtung auf mehr Öffentlichkeitsarbeit wollen die neuen Besitzer die Idee dieses Projektes aufrechterhalten und es den dort involvierten Menschen weiterhin ermöglichen, ihrer Arbeit nachzugehen.

Auch der im Gelderland liegende Betrieb Hoeve Op Vollenhof verbindet Soziale Landwirtschaft und Bed and Breakfast an einem Ort miteinander. Auf dem liebevoll eingerichteten Gelände arbeiten Menschen mit Unterstützungsbedarf im Gemüsebau und in der Nutztierhaltung. Hier liegt der Fokus weniger auf der Gast- als auf der Landwirtschaft. Neben Pferden und Schweinen wird eine Mutterkuhherde gehalten. Der Betrieb ist kleinstrukturiert und auch hier steht im Vordergrund, die landwirtschaftliche Arbeit ohne Leistungsdruck ausführen zu können.

Ein ganz anderes Bild Sozialer Landwirtschaft in den Niederlanden zeigt wiederum der relativ große Betrieb Het Paradijs in Barneveld. Hier steht die landwirtschaftliche Erzeugung gemeinsam mit dem Inklusionsgedanken im Vordergrund. Die Haupteinnahmequelle ist die Vermarktung der Eier einer großen Legehennen-Haltung. Neben der Schweine- und Rinderhaltung werden Obst und Gemüse angebaut. Die Vermarktung der Erzeugnisse wird über den Großhandel, regionale Märkte und den Hofladen organisiert. Die Arbeit der Menschen mit Unterstützungsbedarf oder einer Behinderung findet in allen genannten Bereichen statt. Zudem befindet sich auf dem Hof ein Altenheim für Menschen mit einer Alzheimer-Erkrankung.

Die im Rahmen des internationalen Treffens besuchten niederländischen Höfe zeigen deutlich, wie divers Soziale Landwirtschaft sein kann: von Ausbildungs- über kleinstrukturierte Betriebe bis hin zu wirtschaftenden größeren Höfen. Und immer wieder die Frage im Hintergrund: Wie ist eine bestmögliche Inklusion möglich, zum Wohle Aller? Was lässt der Gesetzgeber des jeweiligen Landes an Strukturen zu? Und welches System legt die Kriterien fest, anhand derer die Qualität der praktizierten Sozialen Landwirtschaft gemessen und gesichert wird?

Kontakt: Lena Hüttmann, Petrarca e.V., Walburger Straße 2, 37213 Witzenhausen, 05542-6170507, Lena.Huettmann@petrarca.info, www.soziale-landwirtschaft.de, www.profarmproject.eu

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden (Rundbrief 34).

Drittes PROFARM- Netzwerktreffen in Kassel 2017

Drittes PROFARM- Netzwerktreffen in Kassel stattgefunden

Thomas van Elsen und Lena Hüttmann

Am 6. September 2017 fand das dritte Treffen (auch potenzieller) Case Manager auf dem „Werkhof“ in Kassel statt. Case Manager – das sind im Sprachgebrauch des italienisch-niederländisch-deutschen EU-Projekts PROFARM Prozessbegleiter, die Menschen mit Betreuungsbedarf bei dem Start ins Berufsleben unterstützen. Es geht dabei um Qualitätssicherung und Begleitung, und Case Manager können ganz unterschiedlichen Berufsgruppen entstammen: Landwirte, Sozialarbeiter oder Pädagogen.

Während die Projektpartner aus der Region Umbrien in Italien das Berufsbild eines solchen Prozessbegleiters erst erfinden, existieren in den Niederlanden und Deutschland bereits viele Ansätze eines solchen Case Managements, ohne dass es dafür eine einheitliche Berufsbezeichnung gäbe. Vor dem Hintergrund des Bundesteilhabegesetzes gewinnt jedoch die Fragestellung des EU-Projekts auch für Deutschland eine unerwartete Aktualität – es besteht die Chance, durch den Fokus auf die Begleitung junger Menschen mit Betreuungsbedarf in Berufsfeldern der Sozialen Landwirtschaft Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Begleitung zu erarbeiten und dem Berufsbild des Case Managers quasi Geburtshilfe zu leisten.

Im Rahmen des PROFARM-Projektes hatte Ende Juni ein Workshop für die im Projekt involvierten Case ManagerInnen in Italien stattgefunden. Dieser Workshop schloss an einen zuvor durchlaufenen Video-Einführungskurs an und beinhaltete verschiedene Vorträge und Diskussionsrunden. Ein Bericht über das Treffen bildete den Einstieg des Treffens in Kassel.

Das deutsche System lässt sich wie folgt zusammenfassen: Jeder, der oder die in eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen aufgenommen werden möchte, muss das „Eingliederungsverfahren“ und den „Berufsbildungsbereich"[1] („EV-BBB“) durchlaufen. Diese Struktur ist in Deutschland obligatorisch.

Johannes Negel arbeitet als Jobcoach für die „Initiative Sinnvolle Arbeit“ ISA: Ziel seiner Arbeit ist die Integration von jungen erwachsenen Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen auf den ersten Arbeitsmarkt. Im Rahmen der Initiative gibt es drei Angebote: Integrations-Langzeitpraktika und unterstützte Beschäftigung mit sozialversicherungspflichtigem Arbeitsverhältnis sowie Integrations-Krankenpflege –als Wege, um in das Berufsleben einzusteigen (www.isa-venne.de/).

Dominik Renner von der Leipziger Urban Gardening-Initiative AnnaLinde berichtete über seine Erfahrungen mit dem „Einstiegsqualifikationsjahr“: Das Job-Center finanziert dieses bis zu 9 Monate für Personen ohne Berufsausbildung; der Arbeitgeber erhält ca. 250 €, die er direkt weitergibt an die Person, die damit ein Berufsvorbereitungsjahr in dem Betrieb absolvieren kann und die dauerhaft in dem Betrieb bleiben und in ein Ausbildungsverhältnis übernommen werden kann, wozu der Betrieb aber nicht verpflichtet ist. In AnnaLinde konnte eine Person mit multiplen Problemen so in ein Ausbildungsverhältnis überführt werden.

Diagnose der Arbeitsmarktfähigkeit (DIAAM)

Wertvolle Gesichtspunkte steuerten die Lehrerinnen zweier Förderschulen aus Leipzig und Marburg bei, die vor der Aufgabe und der Herausforderung stehen, jugendliche AbsolventInnen ihrer Schulen in ein betreutes Arbeitsverhältnis zu vermitteln und dabei ggf. zu begleiten. Antje Putzke, Lehrerin aus Marburg, berichtete über das an ihrer Schule durch das Arbeitsamt initiierte Kompetenz-feststellungsverfahren. Dieses durchlaufen die Absolventen der Schule, bevor sie in den Berufsbildungsbereich gehen. Durchgeführt wird dies „Diagnose der Arbeitsmarktfähigkeit“ (DIAAM) durch Proliberi (www.proliberi.de/dia_am/). Getestet wird drei Monate lang die Erste-Arbeitsmarktfähigkeit bzw. das Potenzial für unterstützte Beschäftigung – ist der Schüler ausbildungsfähig, oder ist es ein Kandidat für die WfbM? Kombiniert ist dieses Kompetenzfeststellungsverfahren mit einer Begleitung von zwei Praktika in Hinblick auf eine Prüfung der Eignung für den ersten Arbeitsmarkt. Aufgrund des Ergebnisses wird entschieden, ob eine weitergehende Förderung (Finanzierung einer Berufsbildung) erfolgt. Erst werden vier Wochen lang Tests durchgeführt und danach wird im regionalen Umfeld ein Betrieb (u.a. auch Landwirtschaftsbetriebe) gesucht, möglichst am Wohnort des Schülers; Proliberi stellt dann den Kontakt zum Betrieb her und führt die Vermittlungsgespräche, es folgt ein vier oder achtwöchiges Praktikum, das mit einen Ergebnis endet, das Proliberi mit dem Arbeitsamt und der Vertreterin der Schule bespricht; davon hängt dann der weitere Arbeitsweg ab.

Das Arbeitsamt finanziert diese drei Monate; danach hat die Person keinen Anspruch mehr auf das Einheitsverfahren. Von den 27 Monaten Anspruch verbleiben 24 Monate Anspruch. Zuständig ist der REHA-Bereich des Arbeitsamtes. Anlass für das Arbeitsamt zur Entwicklung dieses Verfahrens ist gewesen, dass der LWV (Landeswohlfahrtsverband) nach den 27 Monaten finanzierungspflichtig ist und es früher häufig Klagen über Fehlberatungen durch die Arbeitsagentur seitens des LWV gab. – Problematisch ist, dass die Agenturen zunehmend diese Maßnahmen beim billigsten Anbieter einkaufen. Im Marburger Raum sind schon Anbieter, die auf Berufskompetenz und Erfahrung zurückgreifen können, von inkompetenten Konkurrenten unterboten worden und haben vom Arbeitsamt den Zuschlag bekommen. Die Sachbearbeiter in den Agenturen sind dann davon abhängig.

In Hinblick auf Empfehlungen für die Partnerländer erscheinen diese Erfahrungen extrem wichtig.

Im PROFARM-Projekt besteht die Aufgabe und Verpflichtung, in jedem der beteiligten Länder Erfahrungen mit Instrumenten der Kompetenzanalyse zu sammeln und zu dokumentieren. Weiter werden pro Land zehn Cases – konkrete Prozessbegleitungen in der Sozialen Landwirtschaft – durchgeführt und dokumentiert. Hierzu wurde in Kassel eine vom Projektteam vorbereitete Vereinbarungserklärung für die Beteiligten diskutiert; die anwesenden Case Manager stellten darüber hinaus ihre vorgesehenen „Fälle“ vor – Menschen mit dem Potenzial, in der Sozialen Landwirtschaft einen sinnerfüllten Arbeitsplatz zu finden.

Ein weiteres Netzwerktreffen ist für das im Frühjahr 2018 vorgesehen. Derzeit verfasst Linda Böttcher aus Berlin an der Humboldt-Universität ihre landwirtschaftliche Abschlussarbeit zum Berufsbild des Case Managers in der Landwirtschaft. Angedacht wurde, weitere Themen für Bachelorarbeiten der Sozialen Arbeit anzubieten: Das Testen unterschiedlicher Kompetenz-Bewertungsverfahren; Möglichkeiten der Verstetigung des Berufsbildes des Case-Managers im Kontext  „Andere Anbieter“ (BTHG!), sowie speziell die Vermittlung Jugendlicher aus Schulen mit Förderbedarf in die Soziale Landwirtschaft.

Ergeben sich durch das Bundesteilhabegesetz Perspektiven zur Verstetigung des Berufes Case Manger? Aufgrund der Gesetzeslage wird sich die Bedeutung der Werkstätten wandeln – es wird künftig leichter, dass Landwirtschaftsbetriebe Menschen mit Behinderungen einbeziehen. Hier stellt sich die Frage der Qualitätssicherung, genau hier wäre der/die Case ManagerIn die Schaltperson, die eine Begleitung auf hohem Niveau sicherstellen kann. Insbesondere aus Sicht der beteiligten Schulen erfordert diese Betreuung ein eigenes Berufsbild, zu dem das PROFARM-Projekt einen wichtigen Beitrag liefern kann.

Kontakt: Dr. Thomas van Elsen und Lena Hüttmann, Petrarca - Europäische Akademie für Landschaftskultur e.V., c/o Universität Kassel, FÖL, Nordbahnhofstr. 1a, 37213 Witzenhausen, Tel. 05542 981655, Thomas.vanElsenpetrarca.info.

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden (Rundbrief 30).


[1] Eingliederungsverfahren und Berufsbildungsbereich (maximal 2 Jahre) dienen der Suche nach einem geeigneten Tätigkeitsfeld sowie der Ausbildung und der Qualifikation der Beschäftigten.

Tagung „Perspektiven Sozialer Landwirtschaft in
Baden Württemberg“ am 16. März 2017 in Tennental (bei Stuttgart)

PROFARM-Projektpartner aus Italien, Holland und Deutschland mit Experten weiterer europäischer Länder in Tennental
Ein Teil des PROFarm Teams.

von Thomas van Elsen

Turnusgemäß fand im März ein Treffen des PROFARM-Team statt, diesmal in der Dorfgemeinschaft Tennental bei Stuttgart. Die Projektpartner insbesondere aus Italien waren interessiert, eine als Lebens- und Arbeitsgemeinschaft organisierte Soziale Landwirtschaft kennenzulernen.

Außer dem Projektteam war diesmal eine Reihe weiterer ExpertInnen aus weiteren Ländern eingeladen, um die bisherige Arbeit im Projekt zu diskutieren.

Das Projekttreffen bot den Anlass für eine Neubelebung der Netzwerkaktivitäten in Baden-Württemberg. Die von rund 70 Menschen besuchte Tagung in Tennental ließ die Vielfalt Sozialer Landwirtschaft im südwestlichsten Bundesland sichtbar werden.

Edelgard Fieß-Heizmann vom Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg sowie Renate Abele von der Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume (LEL), Schwäbisch Gmünd stellten unter der Überschrift „Soziale Landwirtschaft als Chance zur Diversifizierung für landwirtschaftliche Familienbetriebe?“ Soziale Landwirtschaft als Perspektive für Erzeugerbetriebe dar.

Holger Wilms von der Dorfgemeinschaft Tennental und Gerhard Herz (als Vertreter des Bundesverbandes anthroposophisches Sozialwesen e.V.) gaben Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Herausforderung, und Thomas van Elsen referierte zu „Sozialer Landwirtschaft als Perspektive sozialer und ökologischer Inklusion in Europa“. Die Gäste aus Italien, vertreten durch den Initiator des PROFARM-Projekts Altheo Valentini, gaben Einblicke in Herausforderungen Sozialer Landwirtschaft in Italien und Anton Kiewiet berichtete über aktuelle Entwicklungen in den Niederlanden.

Im Mittelpunkt standen jedoch Berichte von äußerst spannenden und innovativen Betrieben – hier hat Baden-Württemberg Einiges zu bieten an besonders interessanten Höfen. Den Auftakt machte Karin Woyta von der Staufen Arbeits- u. Beschäftigungsförderung GmbH, die bei Göppingen mit Langzeitarbeitslosen den Waldeckhof betreibt. Nach der Mittagspause und der Hofführung durch Alexander Thierfelder aus Tennental folgte Markus Hurter vom Hof Dinkelberg (Schopfheim) der über das Spektrum der Inklusion auf dem Hof berichtete. Georg Schulze-Schilddorf fesselte die Zuhörer mit seinen Erfahrungen seiner Gefängnis-Landwirtschaft der JVA Rottenburg und erzählte von der „Arbeitstherapie hinter Gittern und im offenen Vollzug“. Als weiteren bemerkenswerten Betrieb stellte Reiner Schumacher die Erlacher Höhe (Großerlach) vor: Dort betreibt der Hof „Helle Platte“ Landwirtschaft mit wohnungslosen Menschen. Den Abschluss bildete ein Plenum, in dem es um Strategien zur Entwicklung Sozialer Landwirtschaft und nächste Schritte des wiederbelebten Regionalnetzwerks ging.

Die Tagung wurde veranstaltet vom Netzwerk Soziale Landwirtschaft Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft DASoL und dem EU-Projekt PROFARM (PROfessional and personal empowerment in social FAR-Ming), das von Partnern in Italien, den Niederlanden und Deutschland gemeinsam getragen wird.

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden (Rundbrief 29, S.29ff.).

PROFARM – 2. Internationales Partnertreffen in Foligno

Bericht von Lena Hüttmann

Seit Beginn des Jahres arbeiten internationale Partner aus Italien, den Niederlanden und Deutschland an dem EU-geförderten Projekt PROFARM - PROfessional and personal empowerment in social FARMing. Ziel ist die Entwicklung einer Ausbildung für Menschen mit Behinderungen in der Landwirtschaft und damit einhergehend die Förderung der Inklusion. Folgende Partner sind in PROFARM involviert: aus Italien die „Umbria Region – Welfare and Education Service“ und die „Association Study Center City of Foligno“; aus den Niederlanden die „Stichting AOC de Groene Welle“ und die „Dutch Foundation of Innovation Welfare 2 Work“; aus Deutschland der „Bundesverband anthroposophisches Sozialwesen e.V.“ und „Petrarca – Europäische Akademie für Landschaftskultur Deutschland e.V

Im September fand das zweite internationale Treffen der PROFARM-Partner in Foligno, Italien statt. Das zweitätige Treffen diente zum Austausch und Beschluss über Inhalte der in den letzten Monaten entwickelten Dokumente.

Eine herausragende Rolle bei der Umsetzung werden sogenannte Case Manager spielen. Zum Profil des „Case Managers“ wurden in den beteiligten Ländern Interviews durchgeführt, deren Synthese auf dem Treffen präsentiert und diskutiert wurde. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Verabschiedung eines Online- Fragebogens, welcher die Erfassung von bereits bestehenden Bemühungen zur Inklusion in Europa zum Ziel hat. Dieser Fragebogen wird Anfang November an alle Netzwerke der involvierten Partner versendet und bis Ende Dezember auszufüllen sein. Die Ergebnisse dieser Befragung werden wiederum in den Netzwerken diskutiert und im März veröffentlicht.

Weiterhin wurde ein Fragebogen besprochen, welcher speziell für interessierte Höfe der Sozialen Landwirtschaft entwickelt wurde. Ziel ist es, Partner-Betriebe zu finden, welche die Voraussetzungen für das PROFARM-Projekt erfüllen und motiviert sind, an der exemplarischen Durchführung der Ausbildung teilzunehmen.

Der Fokus der nächsten Monate wird auf der Einbeziehung von Akteuren in ganz Deutschland liegen. Vorgesehen sind drei Netzwerk-Treffen, zu welchen interessierte Akteure aus dem Bereich der Sozialen Landwirtschaft eingeladen sind. Informationen zum Auftakttreffen im Gemeinschaftsgarten AnnaLinde in Leipzig finden sich auf Seite 10 des Rundbriefs. Genauere Daten werden folgen.

Das nächste dreitägige internationale Treffen der PROFARM-Partner wird im März 2017 (13.-15.3.) in Deutschland in der Dorfgemeinschaft Tennental bei Stuttgart stattfinden (www.tennental.de). Dazu sind nur die Partner, sondern auch peer-reviewer eingeladen, einen Tag mitzuarbeiten.

Kontakt: Lena Hüttmann, Petrarca - Europäische Akademie für Landschaftskultur e.V., Witzenhausen, Tel 05542 6170507, Fax: 05542-981670,         
Lena.Huettmannpetrarca.info,

www.profarmproject.eu, https://de-de.facebook.com/ProfarmEU/

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden (Rundbrief 25, S.23f.).

Bericht vom ersten Netzwerktreffen PROFARM am 2. Dezember 2016 in Leipzig

Projektpartner

Antragsteller des PROFARM-Projekts ist die Region Umbrien in Italien. Partner im Projekt sind:

·         Italien: Umbria Region – Welfare and Education Service, Association Study Center City of Foligno;

·         Deutschland: Bundesverband für anthroposophisches Sozialwesen e.V., Petrarca – Europäische Akademie für Landschaftskultur Deutschland e.V.;

·         Niederlande: Stichting AOC de Groene Welle (Berufsschule), Dutch Foundation of Innovation Welfare 2 Work (Team aus Sozialarbeitern)

234 Einrichtungen sind Mitglieder im Bundesverband für anthroposophisches Sozialwesen e.V.; 80 davon sind als Behindertenwerkstätten (WfbM) organisiert und ebenfalls rund 80 als Lebens- und Arbeitsgemeinschaften mit einer biologisch-dynamischen Landwirtschaft.

Projektziel
Das allgemeine länderübergreifende Projektziel ist Verbesserung der beruflichen und sozialen Inklusion von jungen Menschen in der Gesellschaft durch persönliches und berufliches Empowerment im Bereich der sozialen Landwirtschaft (Projekttitel: PROfessional and personal empowerment in social FARMing).

Der Entwicklungsstand ist in den beteiligten Ländern sehr unterschiedlich. Schulbildung und berufliche Bildung sind unterschiedlich organisiert. In Italien besteht zwar ein innovatives Schulgesetz, das Inklusion in der Schulzeit umsetzt, aber nach Abschluss der Schulausbildung existieren noch keinerlei Strukturen und Konzepte für die Integration von Menschen mit Assistenzbedarf ins Arbeitsleben. Dem gegenüber steht ein verbreitetes Engagement von Landwirtschaftsbetrieben im Sozialen, was sich in einer großen Zahl sozialer Kooperativen mit kirchlichem oder linksalternativem Hintergrund spiegelt.

Das Ziel der Region Umbrien im Rahmen von PROFARM ist, Schulabsolventen mit Assistenzbedarf auf landwirtschaftliche Betriebe zu vermitteln und deren Ausbildung zu organisieren. Dabei möchten die italienischen Projektpartner an Erfahrungen aus Deutschland und den Niederlanden anknüpfen.

In den Niederlanden ist das Inklusionsziel, Institutionen abzuschaffen, weiter vorangeschritten als in Deutschland – aber mit dem Fragezeichen, ob der mit der UN-Behindertenkonvention verbundene „inklusive Anspruch“ tatsächlich in der Gesellschaft verankert werden konnte. Wir haben also drei Entwicklungsstufen: Italien baut Strukturen auf, die in den Niederlanden bereits wieder abgeschafft worden sind, und Deutschland steht dazwischen; die Strukturen sind noch vorhanden und befinden sich in einem Veränderungsprozess; viele Erfahrungen zeigen, dass die nicht selten aus Kostengründen motivierte Auflösung im Sinne einer Qualitätssicherung nicht sinnvoll ist. Das PROFARM-Projekt ist also in einem interessanten Spannungsverhältnis.

PROFARM zielt auf die berufliche Qualifizierung junger Menschen im Bereich der Sozialen Landwirtschaft. Berufsausbildung – Vocational Training – folgt in Deutschland auf die Schulausbildung. Innerhalb des Projektteams wurde entschieden, dass für Deutschland der Fokus auf dem Berufsbildungsbereich der WfbM liegen soll, der Werkerausbildung, die von der Bundesanstalt für Arbeit gefördert ist. Es gibt Bestrebungen, diese Ausbildung durch Zertifikate (Nachweis für Qualifikationen) anerkennen zu lassen, um damit Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt besser vermitteln zu können. Im Fachbereich Arbeitswesen des Bundesverbandes wurde kontrovers diskutiert, ob so das Projektziel, die berufliche soziale Inklusion junger Menschen in der Sozialen Landwirtschaft, nachhaltig erreicht werden kann. Hier könnte ein zertifizierungsfähiger Qualifizierungsbaustein entwickelt und erprobt werden. In der Durchführung ist das Projekt offen gestaltet und kann länderspezifisch an die Bedürfnisse von geeigneten PartnerInnen angepasst werden.

Der Projektverlauf:

-          Entwicklung von Methoden zur beruflichen und sozialen Inklusion von jungen Menschen mit Behinderungen in der Sozialen Landwirtschaft: Hier wurde der Status Quo in den beteiligen Ländern recherchiert und dokumentiert.

-          Test und Weiterentwicklung von Methoden zur Entwicklung eines 10-wöchigen Praktikums, welches am Ende des Projektes stattfinden wird.

-          In den drei Ländern sollen aus 90 KandidatInnen – 30 TeilnehmerInnen insgesamt ausgewählt werden (10 pro Land), die o.g. Praktikum absolvieren

-          Veröffentlichung der Methoden, Praxis- und Forschungsarbeit der Länder via www.profarmproject.eu 

Das Projekt läuft seit Januar 2016; zwei Projektreffen in Italien fanden statt, Zwischenergebnisse aus Expertenbefragungen in den drei Ländern liegen als Bericht vor. Geklärt wurden u.a. die Voraussetzungen, die Betriebe mitbringen müssen, die Praktika anbieten, sowie die Rolle der Case Manager – so bezeichnet werden im Projekt die Personen, die die Inklusion junger Menschen begleiten und organisieren. Es gibt im Projekt keine finanziellen Ressourcen für den Case Manager, jedoch stehen die Partner unterstützend durch Beratung und Austausch zur Verfügung.

Ablauf der Praxisphase

-          Benennung von 30 TeilnehmerInnen je Land (insgesamt 90)

-          Sammlung und Entwicklung von Kompetenzanalyseverfahren

-          Fähigkeiten und Lernziele der KanditatInnen ermitteln

-          Bestimmung von 10 TeilnehmerInnen (aus den 30) für die Durchführung

-          Qualifizierung der 10 TeilnehmerInnen Juni 2017-Juni 2018; Begleitung durch 10 Case Manager.

-          Qualitätsbausteine 10 Wochen Praktikum

-          Kontinuierliche Erprobung, Weiterentwicklung und Evaluation der Methoden

Aufbau regionaler multidisziplinärer Netzwerke

Das aktuelle Treffen in Leipzig ist Auftakt für den vorgesehenen Aufbau regionaler und landesweiter multidisziplinärer Netzwerke zur Initiierung und Erprobung des o.g. Praktikums im Bereich der Sozialen Landwirtschaft. Aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse in den beteiligten Ländern – die italienischen Partner fokussieren auf die Region Umbrien, während in Deutschland beide Partner landesweit aktiv sind – ist die Durchführung länderspezifisch unterschiedlich. Die Zielgruppe der aktuellen Aktivitäten sind potentielle Case Manager, WerkstattleiterInnen, Sozialer Dienst, Inklusionsfachdienste, AusbilderInnen, Landwirte/GärtnerInnen, LehrerInnen u.a. Die Treffen dienen dem Erfahrungsaustausch und der inhaltlichen Vorbereitung der anstehenden Praktikums-Durchführung. Die Karl-Schubert Schule Leipzig verfolgt bspw. das Ziel, AbsolventInnen in die Landwirtschaft zu vermitteln und dabei zu begleiten, und AnnaLinde plant, sich zum Integrationsbetrieb weiter zu entwickeln. In der Praxisphase kann das Projekt solche Bestrebungen aufgreifen und die Ausgestaltung als Beispielvorhaben begleiten und unterstützen. Die verschiedenen Bedarfe, Wünsche, Nöte und Problemlösungen sollen und können konstruktiv in ein zu entwickelndes Konzept und die anstehende Praxisphase einfließen. Daher wünschen wir uns eine kontinuierliche Teilnahme an den insgesamt drei vorgesehenen Treffen. Die Praxisphase soll dabei gemeinsam konzipiert werden; weiter ist das Ziel ein gemeinsamer gegenseitiger Austausch und Unterstützung der TeilnehmerInnen, so dass auch die individuellen Projekte gefördert und unterstützt werden. Im Anschluss an das Auftakttreffen am 2.12.16 in Leipzig wird am 24.2.17 ein Folgetreffen in Kassel stattfinden (s. Ankündigung in diesem Rundbrief). Inhalte: Konzeption des Praktikums und der erforderlichen Rahmenbedingungen, Rolle des Case Managers, Auswahl der Teilnehmer, Ende des Praktikums Juni 2018, Projektabschluss Ende 2018.

Interessante Einblicke in den Gemeinschaftsgarten AnnaLinde gab es in der Mittagspause: Dominik Renner stellte die ANNALINDE gGmbH und das Projekt „Urbane Agrikultur im Leipziger Westen“ vor. Das Projekt wird gefördert vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit(BMUB).

 

Das ausführliche Protokoll mit den dokumentierten Diskussionen der TeilnehmerInnen ist bei Interesse erhältlich bei: Thomas.vanElsenpetrarca.info.


Gekürzter Text auf Grundlage des Protokolls von Lena Hüttmann und Thomas van Elsen. Auch zu finden im Rundbrief 27, S.14ff.

PROFARM-Auftakttreffen

Auftakttreffen in Perugia; Konsortium mit Partnern aus Italien, den Niederlanden und Deutschland.

Das EU-Projekt PROFARM –

Konzeptentwicklung zur Ausbildung junger Menschen mit Unterstützungsbedarf in der Sozialen Landwirtschaft

Das im Rahmen einer Ausschreibung zur Verbesserung der Aus- und Weiterbildung benachteiligter Menschen als „Erasmus +“ beantragte EU-Projekt PROFARM wurde initiiert von der italienischen Region Umbrien. Beteiligt sind insgesamt sieben Partner aus Italien, Deutschland und den Niederlanden. Die Partner in Deutschland sind der Träger der DASoL Petrarca e.V. sowie der Bundesverband anthroposophisches Sozialwesen e.V. Anthropoi. Die Laufzeit beträgt drei Jahre.

Das Projekt wurde beantragt im Rahmen einer EU-Ausschreibung zu Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zur Förderung benachteiligter Menschen. „Profarm“ steht für PROfessional and personal empowerment in social FARMing, sinngemäß also die berufliche und individuelle Selbstbefähigung oder Stärkung der Autonomie junger Menschen in der Sozialen Landwirtschaft. In den beteiligten Ländern soll, aufbauend auf vorliegenden Erfahrungen, ein Innovationskonzept entwickelt werden, mit dem junge Menschen mit Unterstützungsbedarf in Berufsschulen und durch Praktika zur Arbeit in der Sozialen Landwirtschaft befähigt werden. Das Projekt möchte durch Verbesserung der Ausbildung ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz erhöhen.

Parallel zur länderübergreifenden Konzeptentwicklung, das als digitales Handbuch zur Verfügung stehen wird, wird in jedem der Länder ein Praxisnetzwerk aus Partnern gebildet, die die entwickelten Konzepte diskutieren und exemplarisch und an die jeweiligen Besonderheiten der Länder angepasst umsetzen. In jedem Land ist jeweils ein wissenschaftlich orientierter Partner tätig, der Aufgaben der Konzeptentwicklung und Evaluation übernimmt, und ein Praxispartner, der den Kontakt zu Einrichtungen, Ausbildungsinstitutionen und Sozialen Landwirtschaftsbetrieben einbringt. Die Testphase wird wissenschaftlich begleitet, evaluiert und aufgrund der Erfahrungen optimiert. Ziel ist eine Verstetigung des im Projekt entwickelten Konzepts in den beteiligten Ländern über das Projektende hinaus.

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden (Rundbrief 23, S.14f.).

Weitere Litaratur

Weitere Literatur befindet sich bei den Publikationen:

BÖTTCHER, L., VAN ELSEN, T. (2019)

HÜTTMANN, L. , SAUER, P., VAN ELSEN, T. (2019)

BÖTTCHER, L., VAN ELSEN, T. (2018)

Rundbrief

Der Rundbrief Soziale Landwirtschaft kann hier kostenlos bestellt werden.

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